Faire Mode auf Umwegen

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Der Weg, der mich in die Haupt-Manufaktur von Nomadic Affairs führte, ist eine etwas turbulente Geschichte, durch die eine tiefe Freundschaft mit dem kreativen Chef entstanden ist.

Auf einer meiner ersten Reisen durch wurde der Alptraum eines jeden Backpacker wahr. Ausgeraubt durch Trickdiebe fand ich mich an einem Bus-Stop wieder. Neben meinem Handy, meiner Kredit- und Bankkarte wurde mein gesamtes Bargeld samt Traveller Cheques entwendet. Völlig aufgelöst lernte ich die über alle Grenzen gehende Herzlichkeit der Inder kennen.

Nachdem unzählige Leute mit mir den Bus-Stop abgesucht und die Polizei informiert hatten, zahlte der eine meinen Bus, ein anderer brachte mich in einem günstigen Hotel unter, das ich später bezahlen konnte. Der Hotelbesitzer brachte mich direkt zum Internet-Cafe nebenan, dessen Computer ich umsonst nutzen durfte, um mich wieder zu sortieren. So wurde ich von einem Nachbarn, Bruder und Schwipsschwäger zum nächsten Kontakt vermittelt. Vetternwirtschaft wie sie im rosa Buche steht.

In diesen Tagen der Not lernte ich Sanjay kennen. Er führt eine kleine Manufaktur mit langer Familiengeschichte. Direkt fiel mir die gute Qualität und die herzliche Arbeitsatmosphäre auf.

Schnell wusste: Ich ich bin angekommen, hier will ich meine Designs produzieren. Leider war die Manufaktur nicht nur um einiges teurer als üblich, ich konnte mir nach dem Ausrauben und all den Formalitäten auch keine Produktion mit ihm erlauben, die Abreise stand zu unmittelbar bevor. Aus dieser Notsituation heraus ist über die Jahre eine tiefe Freundschaft entstanden.

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Being human- so important!

In den letzten Jahren habe ich Stunde um Stunde, Tag um Tag, Monat um Monat, Chai um Chai bei Sanjay und in seiner Schneiderei verbracht und ich habe allen dort unheimlich viel zu verdanken.

Wir haben in den Jahren zusammen mehrere Höhen und Tiefen erlebt. Ich war vor Ort als sein Vater starb und versuchte ihn abzulenken, wir schimpften zusammen als Indien unter dem Rupien-Schnitt litt und natürlich versorge ich ihn seit Jahren so gut es geht mit seinen heißbegehrten Kirschen aus Europa. Dafür hält er stets eine Hand über Nomadic Affairs und bringt mir viel über Land, Leute bei. Ich würde meine Hand für ihn ins Feuer legen, sind wir beide aus ähnlichem Holz geschnitzt. Idealistisch, dickköpfig mit einem Hang zum Lachen und dummen Witzen. So wird bei der Arbeit stets viel gelacht und Unfug getrieben. Ein ehrlicheres und herzlicheres Arbeitsklima kann man sich nicht wünschen.

Bis heute bin ich den zwei Damen dankbar, die mich ablenkten, während ein anderer meine Tasche klaute. Damals nichtahnend, dass dieser Zwischenfall eine solch gute Wendung nehmen würde. Das indische Sprichwort: „Everything happens for some reason“ (Alles, was passiert hat einen Grund) hat sich wieder bewahrheitet.

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Ich leite sie für euch weiter. Die Truppe freut sich.

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